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Fahrbericht: BMW X1
Wien-Steiermark und wieder retour: Erste Eindrücke von BMWs neuem SAV ...

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28.10.2009

Pünktlich vor der Markteinführung am 24.10.2009 lud BMW zur nationalen Pressepräsentation des X1 in die Steiermark. Die Zusage zum Event fiel uns ganz, ganz  leicht - schließlich erfolgten Hin- und Rückreise von und nach Wien bereits mit dem brandneuen Kompakt-SAV. Auf rund 400 Kilometern konnten wir den X1 dann ganz hautnah erleben - sowohl als "23d" mit Automatik, als auch in der Variante "20d" mit 6-Gang-Schaltgetriebe.

BMW X1 im Test

Langgezogene, stark konturierte Motorhaube, im Vergleich zu den anderen X-Modellen noch flacher bauend und gedrungen - der X1 wirkt auf den ersten Blick wie eine - gelungene - Mischung aus PKW und SAV. Die überraschende Bodenfreiheit von 19 Zentimetern verleiht dem Wagen dazu völlig eigenständige, ungewöhnliche Proportionen.

BMW-typisch und sachlich-korrekt-perfekt präsentiert sich der relativ eng geschnittene Innenraum. Die Längsverstellbereiche der Vordersitze sind dennoch so gut, dass 1,90-Testfahrer das Gestühl nicht ganz nach hinten schieben müssen. So freuen sich auch die Hinterbänkler über ausreichend Kniefreiheit. Tief sitzt man im X1, die hoch gezogene Seitenlinie vermittelt Sicherheit. Über Verarbeitungs- und Materialqualität sowie die Haptik braucht man bei BMW ohnehin nicht viel zu sagen - Höchstnoten hier für die Bayern.

BMW X1 im Test

Der "23d" für die Anreise zeigte sich in der Automodefarbe des Jahres - braun: "Marrakesh Brown" heißt der Farbton bei BMW, der dem X1 ganz hervorragend steht - und je nach Licht und Sonnenstand manchmal fast schwarz, dann wieder hell goldbraun erscheint.

"23d" steht auch für die dieselmäßige Topmotorisierung des X1. Was für X3 und X5 der famose 3 Liter Dieselmotor, ist für den kleinen neuen X1 der ebenso famose 23d, der ausschließlich in Kombination mit dem 6-Gang-Automaten "Steptronic" erhältlich ist. Der Vierzylinder schöpft seine erstaunliche Kraft von 204 PS wie die beiden anderen Dieselmodelle aus 2 Litern Hubraum, verfügt aber als einziger über 2 Turbolader. Die Kraftentfaltung ist im gesamten Drehzahlband gewaltig und verleiht dem 1.670 Kilo schweren Wagen eine sportwagenhafte Charakteristik. Außerordentlich gut passt sich die 6-gängige Steptronic an, die im Normalmodus relativ relaxt und Sprit sparend agiert, im "Sport"-Modus dem Motor aber das Zähnefletschen erlaubt: Da werden die Gänge schon mal bis knapp vor den roten Bereich ausgedreht.

BMW X1 im Test

Wer's noch sportlicher will, kann die Gänge im manuellen Modus auch mittels der Schaltpaddles am Lenkrad wählen - um daraus geschwindigkeitsmäßige Vorteile zu erzielen, muss man den X1 aber schon fast im Renntempo bewegen.

Mit dem großen Diesel ist der X1 ein sehr gutes Reiseauto, das sich bei 160 km /h Autobahn-Dauergeschwindigkeit wohler zu fühlen scheint als bei 130 km/h. Auf der Landstraße präsentierte sich der Neue als wahrer Kurvenkönig, der Grenzbereich dieses Autos liegt in einer Gegend, in die der Durchschnittsfahrer nie kommen wird.

Dafür sorgt neben der außerordentlich gelungenen Fahrwerks-"Hardware" auch der individuell an den X1 angepasste Allradantrieb xDrive, der die Kraft im Normalbetrieb im Verhältnis 60:40 zwischen Hinter- und Vorderachse verteilt. Während man ihn bei normaler Fahrweise nie zu spüren bekommt, beweist er bei hohem Tempo seine Kompetenz in Sachen Fahrdynamik und -sicherheit eindrucksvoll: Die Elektronik sorgt in Form der Stabilitätskontrolle DSC für mehr Sicherheit in Kurven, indem die "Schleuderneigung" schon im Ansatz erkannt und bekämpft wird. Spektakulär die neue "Performance Control", die für eine variable Kraftverteilung an einer Achse sorgt: In einer schnellen Kurve kann das kurvenäußere Rad durch einen Gaseingriff beschleunigt, das kurveninnere Rad abgebremst werden. Der X1 wird  in die Kurve förmlich hineingedreht, bislang fast undenkbare Kurvengeschwindigkeiten sind so möglich - ohne dass ein einziges Rad quietschen würde.

BMW X1 im Test

Kleine Einschränkung hier: BMW hatte während der Veranstaltung etwas Pech mit dem Wetter. Auf die Fahrzeuge waren bereits Winterreifen aufgezogen, während des Tests gab es aber deutlich über 10 Grad und teils recht nasse Straßen. Bei diesen Verhältnissen erwiesen sich die Pneus ein wenig als Spielverderber und forderten bei forcierter Fahrweise ein wenig Sensibilität beim Umgang mit dem Lenkrad - und speziell dem Gaspedal.

Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass BMW mit dem X1 in puncto Fahrdynamik und Fahrspaß in eine neue, bislang unbekannte Dimension vordringt - zumindest im SUV/SAV-Segment.

Rückreise - wir wählen uns diesmal den "20d". Hier beatmet ein einfacher Abgasturbloader den 2 Liter Dieselmotor und sorgt für 177 PS. So lernen wir auch eine Handschaltvariante des X1 kennen.

Überraschung Nr. 1: Der Kupplungsweg ist lang, entscheidet aber auf gerade einmal 2 Zentimetern des Weges zwischen peinlichem Absterben und rasantem Powerstart. Dazu ist das Pedal so schwergängig, wie wir es nur aus älteren Porsche-Modellen kennen - absolut sportlich also auch hier die Auslegung, die die BMW-Ingenieure dem X1 mit auf den Weg gegeben haben. Und: es macht ungeheuer Spaß, so zu fahren: Knackig kurz der Schalthebel, absolut präzise die Schaltgassen, ein Getriebe ohne Tarnen und Täuschen. Fußballerwadl gibt's aufpreisfrei.

Überraschung Nr. 2: Dass der 20er dem 23er unserem Gefühl nach leistungsmäßig um gar nicht so viel nachsteht. Bei hohem Tempo fehlt ihm vielleicht der letzte Funken Durchzugskraft, dennoch: Ein hervorragend zum X1 passender Motor. Den es übrigens auch in Kombi mit der eingangs beschriebenen Automatik gibt.

Und dann, gegen Ende der Testfahrt, schon auf dem Wiener Gürtel - Überraschung Nr.3: Man hat es uns eh vorher gesagt, trotzdem erschrickt man beim ersten Mal: Die handgeschalteten Versionen des X1 kommen serienmäßig mit einer Start-Stop-Automatik. Und auch die funktioniert bei BMW mit einer gewissen Sportlichkeit: Leerlauf eingelegt, Kupplungspedal losgelassen - und der Motor schaltet ab. Das Besondere daran: Das passiert auch, wenn das Fahrzeug noch rollt, bei Geschwindigkeiten bis maximal 5 km/h. Und das ist im Stadtverkehr öfter, als man denkt. So ist das System noch effizienter und hilft ernsthaft, in der Stadt Sprit zu sparen. Ein Tritt auf's Kupplungspedal und der Motor springt wieder an. So schnell, dass es beim Wegfahren keine Verzögerung gibt.

A propos Spritsparen: Wenn wir die Performance der BMW-Motoren hier über den grünen Klee gelobt haben, darf auch eine Info zum Thema Verbrach nicht fehlen - denn auch hier macht der X1 eine gute Figur: So verbraucht der "20d" mit Handschaltung gerade einmal 5,8 Liter im EU-Schnitt. Der sportliche 23d mit Allrad und Automatik wohl gemerkt - auch nur 6,3 Liter.

Wenn es bei BMW Kritikpunkte zu finden gibt, dann am ehesten beim Preis: Der beginnt zwar bei recht reizvollen 29.950 Euro, dafür gibt es aber "nur" den heckgetriebenen "sDrive 18d". Die billigste Allradvariante kostet mit dem xDrive 18d bereits 33.200 Euro, mit einigen Extras wird wohl rasch eine 4 an erster Stelle des Preises stehen. Der xDrive 20d kommt bereits auf mindestens 36.950 Euro, der von uns ebenfalls gefahrene xDrive 23d auf 41.800 Euro. Wobei: Die meisten anderen SUVs sind auch nicht mehr viel billiger. Bieten aber lange nicht so viel Fahrspaß, -dynamik, Qualität, Niveau und letztlich auch Wertbeständigkeit wie ein BMW.

Also ... wieder kein Argument gegen einen X1 ...

gelaendewagen.at Test Nr. 80
Fotos: gelaendewagen.at (außen), BMW Austria (Innenraum)

 
(c) allradnews.at & gelaendewagen.at