Pünktlich vor der Markteinführung am 24.10.2009 lud BMW zur
nationalen Pressepräsentation des X1 in die Steiermark. Die
Zusage zum Event fiel uns ganz, ganz leicht - schließlich erfolgten
Hin- und Rückreise von und nach Wien bereits mit dem brandneuen Kompakt-SAV. Auf rund 400 Kilometern konnten wir den X1
dann ganz
hautnah erleben - sowohl als "23d" mit Automatik, als
auch in der Variante "20d" mit 6-Gang-Schaltgetriebe.
Langgezogene, stark konturierte Motorhaube, im Vergleich
zu den anderen X-Modellen noch flacher bauend und gedrungen -
der X1 wirkt auf den ersten Blick wie eine - gelungene -
Mischung aus PKW und SAV. Die überraschende Bodenfreiheit von 19
Zentimetern verleiht dem Wagen dazu völlig eigenständige,
ungewöhnliche Proportionen.
BMW-typisch und sachlich-korrekt-perfekt präsentiert sich der
relativ eng geschnittene Innenraum. Die
Längsverstellbereiche der Vordersitze sind dennoch so gut, dass
1,90-Testfahrer das Gestühl nicht ganz nach hinten schieben
müssen. So freuen sich auch die Hinterbänkler über
ausreichend Kniefreiheit. Tief sitzt man im X1, die hoch
gezogene Seitenlinie vermittelt Sicherheit. Über
Verarbeitungs- und Materialqualität sowie die Haptik braucht
man bei BMW ohnehin nicht viel zu sagen - Höchstnoten hier für
die Bayern.
Der "23d" für die Anreise zeigte sich in der
Automodefarbe des Jahres - braun: "Marrakesh Brown" heißt
der Farbton bei BMW, der dem X1 ganz hervorragend steht - und je
nach Licht und Sonnenstand manchmal fast schwarz, dann wieder
hell goldbraun erscheint.
"23d" steht auch für die dieselmäßige Topmotorisierung
des X1. Was für X3 und X5 der famose 3 Liter Dieselmotor, ist
für den kleinen neuen X1 der ebenso famose 23d, der
ausschließlich in Kombination mit dem 6-Gang-Automaten "Steptronic"
erhältlich ist. Der Vierzylinder schöpft seine erstaunliche
Kraft von 204 PS wie die beiden anderen Dieselmodelle aus
2 Litern Hubraum, verfügt aber als einziger über 2 Turbolader.
Die Kraftentfaltung ist im gesamten Drehzahlband gewaltig und
verleiht dem 1.670 Kilo schweren Wagen eine sportwagenhafte
Charakteristik. Außerordentlich gut passt sich die 6-gängige
Steptronic an, die im Normalmodus relativ relaxt und
Sprit sparend agiert, im "Sport"-Modus dem Motor aber das
Zähnefletschen erlaubt: Da werden die Gänge schon mal bis knapp vor
den roten Bereich ausgedreht.
Wer's noch sportlicher will, kann die Gänge im manuellen
Modus auch mittels der Schaltpaddles am Lenkrad
wählen - um daraus geschwindigkeitsmäßige Vorteile zu erzielen,
muss man den X1 aber schon fast im Renntempo bewegen.
Mit dem großen Diesel ist der X1 ein sehr gutes Reiseauto,
das sich bei 160 km /h Autobahn-Dauergeschwindigkeit wohler zu
fühlen scheint als bei 130 km/h. Auf der Landstraße präsentierte
sich der Neue als wahrer Kurvenkönig, der Grenzbereich dieses
Autos liegt in einer Gegend, in die der Durchschnittsfahrer nie
kommen wird.
Dafür sorgt neben der außerordentlich gelungenen
Fahrwerks-"Hardware" auch der individuell an den X1 angepasste
Allradantrieb xDrive, der die Kraft im Normalbetrieb im
Verhältnis 60:40 zwischen Hinter- und Vorderachse verteilt.
Während man ihn bei normaler Fahrweise nie zu spüren bekommt,
beweist er bei hohem Tempo seine Kompetenz in Sachen Fahrdynamik
und -sicherheit eindrucksvoll: Die Elektronik sorgt in Form der
Stabilitätskontrolle DSC für mehr Sicherheit in Kurven, indem
die "Schleuderneigung" schon im Ansatz erkannt und bekämpft
wird. Spektakulär die neue "Performance Control", die für
eine variable Kraftverteilung an einer Achse sorgt: In einer
schnellen Kurve kann das kurvenäußere Rad durch einen
Gaseingriff beschleunigt, das kurveninnere Rad abgebremst
werden. Der X1 wird in die Kurve förmlich hineingedreht,
bislang fast undenkbare Kurvengeschwindigkeiten sind so möglich -
ohne dass ein einziges Rad quietschen würde.
Kleine Einschränkung hier: BMW hatte während der Veranstaltung
etwas Pech mit dem Wetter. Auf die Fahrzeuge waren bereits
Winterreifen aufgezogen, während des Tests gab es aber
deutlich über 10 Grad und teils recht nasse Straßen. Bei diesen
Verhältnissen erwiesen sich die Pneus ein wenig als
Spielverderber und forderten bei forcierter Fahrweise ein wenig
Sensibilität beim Umgang mit dem Lenkrad - und speziell dem
Gaspedal.
Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass BMW mit dem X1 in
puncto Fahrdynamik und Fahrspaß in eine neue, bislang
unbekannte Dimension vordringt - zumindest im SUV/SAV-Segment.
Rückreise - wir wählen uns diesmal den "20d". Hier beatmet ein einfacher Abgasturbloader
den 2 Liter Dieselmotor und sorgt für 177 PS. So lernen
wir auch eine Handschaltvariante des X1 kennen.
Überraschung Nr.
1: Der Kupplungsweg ist lang, entscheidet aber auf gerade einmal
2 Zentimetern des Weges zwischen peinlichem Absterben und
rasantem Powerstart. Dazu ist das Pedal so schwergängig, wie wir
es nur aus älteren Porsche-Modellen kennen - absolut sportlich
also auch hier die Auslegung, die die BMW-Ingenieure dem X1 mit
auf den Weg gegeben haben. Und: es macht ungeheuer Spaß, so zu
fahren: Knackig kurz der Schalthebel, absolut präzise die Schaltgassen,
ein Getriebe ohne Tarnen und Täuschen. Fußballerwadl gibt's
aufpreisfrei.
Überraschung Nr. 2: Dass der 20er dem 23er unserem Gefühl nach
leistungsmäßig um gar nicht so viel nachsteht. Bei hohem Tempo fehlt ihm vielleicht
der letzte Funken Durchzugskraft, dennoch: Ein
hervorragend zum X1 passender Motor. Den es übrigens auch in
Kombi mit der eingangs beschriebenen Automatik gibt.
Und dann, gegen Ende der Testfahrt, schon auf dem Wiener Gürtel
- Überraschung Nr.3: Man hat es uns eh vorher gesagt, trotzdem
erschrickt man beim ersten Mal: Die handgeschalteten Versionen
des X1 kommen serienmäßig mit einer Start-Stop-Automatik. Und
auch die funktioniert bei BMW mit einer gewissen Sportlichkeit:
Leerlauf eingelegt, Kupplungspedal losgelassen - und der Motor
schaltet ab. Das Besondere daran: Das passiert auch, wenn das
Fahrzeug noch rollt, bei Geschwindigkeiten bis maximal 5 km/h. Und das ist im
Stadtverkehr öfter, als man denkt. So ist das System noch
effizienter und hilft ernsthaft, in der Stadt Sprit zu sparen.
Ein Tritt auf's Kupplungspedal und der Motor springt wieder an. So
schnell, dass es beim Wegfahren keine Verzögerung gibt.
A propos Spritsparen: Wenn wir die Performance der BMW-Motoren
hier über den grünen Klee gelobt haben, darf auch eine Info zum
Thema Verbrach nicht fehlen - denn auch hier macht der X1 eine
gute Figur: So verbraucht der "20d" mit Handschaltung gerade
einmal 5,8 Liter im EU-Schnitt. Der sportliche 23d mit Allrad
und Automatik wohl gemerkt - auch nur 6,3 Liter.
Wenn es bei BMW Kritikpunkte zu finden gibt, dann am ehesten
beim Preis: Der beginnt zwar bei recht reizvollen 29.950 Euro,
dafür gibt es aber "nur" den heckgetriebenen "sDrive 18d". Die
billigste Allradvariante kostet mit dem xDrive 18d bereits
33.200 Euro, mit einigen Extras wird wohl rasch eine 4 an erster
Stelle des Preises stehen. Der xDrive 20d kommt bereits auf
mindestens 36.950 Euro, der von uns ebenfalls gefahrene xDrive
23d auf 41.800 Euro. Wobei: Die meisten anderen SUVs sind auch
nicht mehr viel billiger. Bieten aber lange nicht so viel
Fahrspaß, -dynamik, Qualität, Niveau und letztlich auch
Wertbeständigkeit wie ein BMW.
Also ... wieder kein Argument gegen einen X1 ...
gelaendewagen.at Test Nr. 80
Fotos: gelaendewagen.at (außen), BMW Austria (Innenraum)