In die Berg' bin i´ gern
Der neue Fiat Panda 4x4 im Test
Klein, günstig, Allrad. Die magischen Attribute für garantierten Verkaufserfolg in Österreich, besonders in den gebirgigen Gegenden. Doch der neue Fiat Panda 4x4 kommt nicht nur für Bergbauern und Briefträger in Frage.
04.06.2013

Seit jeher soll der Fiat Panda den grauen Alltag etwas spaßiger machen. Mit knalligen Farben begeistern, Mundwinkel nach oben ziehen und als Lifestyle-Mobil freizeitorientierte Käufer locken. Von all dem war bei unserem Testwagen, einem Panda 4x4 1.3 Multijet II 75 EASY, nichts zu merken. Unser Exemplar in Sorpresa-Grün mit dem brummigen Dieselmotor war eher Marke Aufsichtsjäger, nicht Trendsetter.

Fiat Panda 4x4: Zum Vergrößern klicken!

Das Zeug zum Trendsetter hätte er aber, der neue Panda. Schon beim Erstkontakt gefällt das treuherzige G'schau des kleinen Bärchens, keine Spur von der präpotenten Aggressivität vieler automobiler Zeitgenossen. Eine knackig gezeichnete Karosserie, klein und übersichtlich, mit einem Hauch Kindchen-Schema.

Und der positive Eindruck setzt sich beim Blick in den Innenraum fort. Dreifarbig gestaltete Sitzbezüge, ein Armaturenbrett in Wagenfarbe und mit viel Liebe zum Detail gestaltete Bedienelemente erfreuen das Auge. Beim dritten Blick auf die leider doch sehr zahlreich verbauten Hartplastikoberflächen fällt die Maserung auf. Alles kleine "Panda"-Schriftzüge. Ein nettes Detail von vielen. Die Ausstattung mit Bordcomputer, Multifunktionslenkrad samt City-Parkmodus und Klimaanlage ist ausreichend, die Verarbeitung geht in Ordnung. Also nichts wie los, Zündung und Abfahrt!

Und plötzlich wird aus dem Spaßmacher ein ernstes, kleines SUV. Der brummige Turbodiesel-Motor zieht nach kurzer Anfahrschwäche dank 190 Nm Drehmoment ordentlich los, bleibt akustisch stets präsent und macht nie einen Hehl daraus, dass moderne Dieselmotoren halt nun einmal laut zu nageln haben. Da würde der ebenfalls erhältliche Zweizylinder-Benzinmotor namens 0.9 TwinAir Turbo 85 wohl für mehr Emozioni hinterm Steuer sorgen. Ob sich der allerdings wie unser Diesel mit deutlich weniger als 6 Liter Verbrauch zufrieden gibt, darf bezweifelt werden. In Sachen Fahrkomfort gibt's nichts zu meckern und auch das beim Vorgänger akustisch stets präsente Poltern des Fahrwerks auf schlechten Straßen gehört nun endlich der Vergangenheit an. Da sich unser Test-Panda nicht nur in der Farbwahl, sondern auch motorisch recht rustikal gibt, geht's raus aus der Innenstadt und rein ins Revier!

Fiat Panda 4x4: Zum Vergrößern klicken!

Auf dem Weg dorthin offenbart sich die größte Schwäche des kleinen Italo-Charmeurs. Seine Aversion gegen Autobahnen. Das hohe Drehzahlniveau bei Richtgeschwindigkeit steht entspanntem Reisen im Weg, niedrigen Verbrauchswerten auf Langstrecken leider auch.

Im Revier angekommen, ist die Welt für den kleinen Kraxler aber wieder in Ordnung, dort überrascht er mit seinen Offroad-Qualitäten selbst gestandene Geländewagen-Fahrer. Trotz der bescheidenen Bodenfreiheit von 15 Zentimetern und der völligen Abwesenheit eines Untersetzungsgetriebes krabbelt der Panda 4x4 durch Hohlwege und Schlammlöcher, dass es eine Freude ist.

Der kurze erste Gang schont die Kupplung und das tapfere Motörchen schafft es trotz des Mini-Hubraums, im Standgas Steigungen ohne Absterben hoch zu tuckern. Und geht es einmal nicht mehr weiter, lässt sich die Traktionshilfe ELD aktivierten, die bis Tempo 50 mittels Bremseingriffen eine Differenzialsperre simuliert. Gebraucht haben wir ELD aber nie, der permanente Allradantrieb reagiert flott und schickt rechtzeitig Kraft zu den Hinterrädern.

Fiat Panda 4x4: Zum Vergrößern klicken!

Tja, in den Bergen, dort fühlt er sich daheim, der Fiat Panda 4x4. Als Multijet-Diesel in Sorpresa-Grün wird er zur idealen Allwetterwaffe für Jäger, Förster, Bergbauern und all jene, die sich gern in Gegenden aufhalten, wo große SUVs nicht zu gebrauchen sind. Aber auch in der Großstadt schafft es das Bärchen, schnell Freunde zu finden. Nur sollte man sich dort eher für eine knalligere Farbe und den Twin-Air Turbobenziner entscheiden.

gelaendewagen.at Test Nr. 150
Fotos und Text: gelaendewagen.at